England

09.08.2013 – Mit einem günstigen Nachttarif verschiffte mich die britische Fährgesellschaft P&O zusammen mit meinem Pickup Camper von Calais nach Dover. Britische Passkontrolle (GB ist nicht im Schengen-Raum) fand schon auf der französischen Seite statt. In Dover fragte noch der Zoll nach Reisegrund und Reisedauer. Die nächtliche Suche nach einem Stellplatz brachte mich zu den Parkplätzen am Besucherzentrum der “White Cliffs”, der berühmten Kreidefelsen. Der Platz liegt direkt oberhalb des Fährhafens, in dem rund um die Uhr Betrieb ist, und bietet eine grandiose Aussicht. Schon das Ein- und Auslaufen der vielen Fähren und der Be- und Entladebetrieb ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Strahlendes Wetter empfing mich am anderen Morgen. Nachdem es schon am Abend zuvor in Calais einmal kräftig geschüttet hatte, war die große Hitze vorbei und angenehmen Temperaturen gewichen. Traumwetter also für die ausgedehnte Wanderung auf ausgetretenen Pfaden entlang der weißen Kreidefelsen, die überwiegend eine Höhe von um die 60 Meter erreichen und fast senkrecht abfallen. Ein schöner Spaziergang und für mich höchste Zeit, mal wieder in körperliche Bewegung zu kommen. Durchgeschwitzt kam ich nach drei Stunden Tour wieder zurück. Damit zu den Annehmlichkeiten des Lebens in einem Camper. Ich kann mir so oft ich will eine Siesta gönnen, was ich auch gleich tat. Und noch ein Wort zu meiner durchgeschwitzten Weste. Als sie wieder getrocknet war, hatten sich auf der Rückenseite weiße Salzränder gebildet, die vom Schweiß herrührten. Soviel zur Auswirkung von körperlicher Betätigung. Von Dover fuhr ich in das nahegelegene Canterbury, seiner großen Kathedrale wegen. Sie spiegelt die architektonische Entwicklung von vier Jahrhunderten wieder und ist das geistige Zentrum der anglikanischen Kirche. London, eines der wenigen englischen Reiseziele, die ich schon kannte, habe ich südlich umfahren. Blenheim Palace lag auf meiner Route, Palast der Herzöge von Marlborough und eng verwoben mit dem Namen Churchill. Im 850 Hektar großen Park erreicht die Kunst, die Natur als Landschaftsgarten zu zähmen, einen ihrer Höhepunkte. Vom monumentalen Palast aus der großen Zeit des englischen Adels ging es nach Oxford, wo ein anderer Geist weht. Einerseits zwar eine Stadt mit mehr als 600 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden, andererseits aber auch eine Stadt der Jugend, der vielen Hochschulen wegen. Mit 800jähriger Tradition als Gelehrtenzentrum und über 30 Colleges werden, wie natürlich auch in Cambridge die akademischen und gesellschaftlichen Eliten des Landes herangezogen.

08/09/2013 – With a cheap night tariff shipped me the British ferry company P&O with my pickup camper from Calais to Dover. British Passport Control (UK is not in the Schengen area) took place already on the French side. In Dover asked the customs to basic tour and travel duration. The nightly search for a parking space led me to the car park at the visitor center of the “White Cliffs”, the famous chalk cliffs. The site is located directly above the ferry port, which is operating around the clock and offers spectacular views. Already the comings and goings of the many ferries and the loading and unloading is a landmark in itself. Bright sunshine greeted me the next morning. After it had been poured on the evening before in Calais once strong, the great heat was over and had changed to pleasant temperatures. Perfect weather for a long walk on the beaten tracks along the white chalk cliffs, that mostly reach a height of around 60 meters and fall almost vertically. A nice walk and for me high time to get back into exercise. I was drenched in sweat after three hours tour back. Thus to the amenities of living in a camper. I can as often as I want take a siesta, which I did the same. And a word on my sweat-soaked vest. When she was dried again white salt stains had formed on the back side, which was caused by welding. So much for the impact of physical activity. From Dover I drove to the nearby Canterbury, because of its great cathedral. It reflects the architectural development of four centuries back and is the spiritual center of the Anglican Church. London, one of the few English destinations that I already knew, I drove around south. Blenheim Palace was on my route, Palace of the Dukes of Marlborough and closely interwoven with the name Churchill. The 850-acre park reaches the art of taming nature as a landscape garden, one of its highlights. From the monumental palace of the great time of the English nobility I went to Oxford, where another mind is blowing. On one hand a city with more than 600 buildings under monument protection, but on the other hand also a city of youth, because of many universities. With 800 years of tradition as a center of learning and over 30 colleges, like of course also in Cambridge the academic and social elites of the country become educated here.

13.08.2013 – Ohne dass ich es vorher auf meinem Radar hatte, kam ich nach Stratford-upon-Avon. Ich wollte einen Hauch von Shakespeare erleben, der hier geboren wurde, wirkte und auch starb. Atmosphärisches fand ich nicht vor, dafür Menschenmassen, was wohl an der englischen Ferienzeit lag, und eine Touristenfalle. Von authentischer Atmosphäre also keine Spur. Reisebus folgte auf Reisebus und spuckte Menschenmassen aus. Lange Schlangen an den Sehenswürdigkeiten und teure Preise. Vielleicht wäre ein abendlicher Theaterbesuch angemessen gewesen. Aber die Vorstellung war natürlich ausverkauft und ich hätte auch kaum angemessene Kleidung dabeigehabt. Mit kleinen Sehenswürdigkeiten war ich dagegen gut bedient. So ein kleines Highlight war Kenilworth Castle. Die Ruinen der ehemaligen Wasserburg lagen malerisch in der Landschaft wie in der Sonne. Das große Warwick Castle dagegen, das inzwischen der Firma “Madame Tussaud” gehört, wird kommerziell so ausgebeutet, dass es finanziell wehtut. Parkgebühren und Eintritt wären auf rund 30 britische Pfund (35 EUR) gekommen. Da hört bei mir der Spaß auf. Also ging meine Fahrt wieder durch nunmehr mittelenglische Landschaften und bei schönem Wetter weiter quer durch das Land. So kam nach diversen Besichtigungen unter anderem der Kathedrale in Lincoln und der Zisterzienserabtei in Selby nach York. Das Zentrum Nordenglands hat eine Menge zu bieten und seine Sehenswürdigkeiten will ich mir ansehen.

08/13/2013 – Without that I had it previously on my radar, I came to Stratford-upon-Avon. I wanted to experience a touch of Shakespeare, who was born here, lived and also died here. Atmosphere I could not find, but huge crowds, which probably was due to the English holiday season. I found only a tourist trap. So no trace of authentic atmosphere. Coach after coach followed and spat out crowds. Long lines at the sights and expensive prices. Perhaps an evening visit to the theater would have been appropriate. But it was of course sold out and I would also like hardly had adequate clothing. With little interest I was against well served. Such a small highlight was Kenilworth Castle. The ruins of the former moated castle were set in the beautiful landscape as in the sun. The Great Warwick Castle, however, is now part of the company “Madame Tussaud” and is commercially exploited, it hurts financially. Park entrance fees and would have come to around 30 pounds sterling (35 EUR). As for me, the fun stops. So now my ride went through Middle English landscapes and enjoyed continuing across the country during nice weather. So I came after various tours including the cathedral in Lincoln and the Cistercian Abbey in Selby to York. The center of northern England has a lot to offer and I try to see its sights.

15.08.2013 – Ja, York war etwas Besonderes. Natürlich besuchte ich zuerst die großartige Kathedrale von York, Minster genannt. Es hat beeindruckende Dimensionen, gehört zu den größten gotischen Bauwerken Europas und ist der größte Dom nördlich der Alpen. Das Straßenmuster innerhalb der Stadtmauern ist weitestgehend das des Mittelalters, sogar von dem mittelalterlichen Ambiente hat sich noch etwas erhalten. Andererseits war die Stadt jedoch nicht nur “very british”, es waren massenweise Touristen in der Stadt und bei warmem Wetter waren Straßen und Plätze geradezu überfüllt. Es stellte sich geradezu südländisches Lebensgefühl ein. Das Jorvik Viking Center will ich noch erwähnen. Es erinnert an die von 876 bis 954 reichende dänische Geschichte der Stadt und bietet einen Blick in das damalige Leben. Es war so viel Besucherandrang, dass ich mich vor der Kasse erst einmal einem der beliebtesten Hobbies der Briten widmen konnte – Schlange stehen, und das gleich eine halbe Stunde lang. Da ich ja alte geschichtsträchtige Gemäuer mag, zudem wenn sie auch noch ein schönes Foto hergeben, besuchte ich noch Clifford’s Tower, einen Bergfried des 14. Jahrhunderts am Rande der Altstadt. Für Eisenbahnfans ist das National Railway Museum unbedingt sehenswert. Von der historischen “Rocket” bis zum “Flying Scotsman” gibt es bei freiem Eintritt, was in England besonders erwähnenswert ist (eine kleine Spende wird jedoch erwartet), einen tollen Querschnitt durch die Geschichte britischer Dampfzüge. York war nach Oxford die zweite Stadt, wo ich “Park & Ride” ausprobiert habe. Es funktioniert prima. Die Busse fahren mit hoher Frequenz und der Fahrpreis ist günstig. Mein Camper blieb auf dem Parkplatz stehen und nach abendlicher Rückkehr habe ich auch dort noch übernachtet. Vielfach wird das zwar durch Hinweisschilder untersagt, aber es ist niemand dagegen eingeschritten.

08/15/2013 – Yes, York was special. Of course, I first visited the magnificent York Minster. It has impressive dimensions, one of the largest Gothic buildings in Europe and is the largest cathedral north of the Alps. The street pattern within the city walls is largely that of the Middle Ages, even from the medieval atmosphere has yet received something. On the other hand, however, the city was not only “very British”, there were loads of tourists in the city and in warm weather streets and squares were downright crowded. It turned almost into a southern way of life. The Jorvik Viking Centre I want to mention. It reminds of the 876-954 reaching Danish history of the city and offers a glimpse into the life at that time. It was so much crowd of visitors, that I before checkin once was able to devote one of the most popular hobbies in the British – queuing, half an hour long. Since I like old historic ruins, also if they even give a nice photo, I visited Clifford’s Tower, a keep of 14th Century on the edge of the old town. For rail enthusiasts the National Railway Museum is well worth seeing. From the historic “Rocket” to the “Flying Scotsman” they offer a great cross section of the history of British steam trains, with free admission, which is particularly noteworthy in England (a small donation is expected, however). York was the second city to Oxford, where I tried “park & ride”. It works great. The buses run at high frequency and the fare is cheap. My camper remained in the parking lot and after evening return I also stayed there yet during the night. In many cases this is prohibited by signs, but there was no one intervening against.

19.08.2013 – Dann noch einmal kreuz und quer durch Nordengland. Dort, wo die North York Moors auf die Nordsee treffen, ist die Küste steil, spektakulär und von hohen Klippen gesäumt. Ich fand ein Dorf namens Robin Hood’s Bay, das sich als malerischer Fischerort herausstellte. Und da ich natürlich auf Tour zu alten Burgen und Abteien und deren Ruinen war, kam ich nach Whitby. Auf einer windigen Höhe stehen die eindrucksvollen Ruinen von Whitby Abbey, 657 von der heiligen Hilda gegründet und 867 von den Dänen zerstört, nach normannischer Eroberung als Benediktinerkloster neu gegründet, aber 1539 aufgelöst. Der schnelle Wechsel von Wolken und Sonne trug mit zu dem Schauspiel bei, das mit dem Panorama von See, Stadt und dem historischen Friedhof der Pfarrkirche St. Mary abgerundet wurde. In der Stadt kam James Cook zur königlichen Marine und man ehrt ihn hier mit einem kleinen Captain Cook Memorial Museum. Natürlich Pflichtbesuch für mich, nachdem ich mich vor vielen Jahren anlässlich meiner Neuseelandreise selbst mal ausführlicher mit ihm und seinen Forschungsreisen beschäftigt hatte. Dann wieder Ruinen in dichter Abfolge – Pickering Castle, Helmsley Castle und Rievaulx Abbey. Und auf dem Weg nach Westen wieder an York vorbei zu einem neuen Höhepunkt – Fountains Abbey bei Ripon. Die Ruinen alter Zisterzienserklöster üben auf mich eine eigenartige Faszination aus. Sie entstanden zu ihrer Zeit immer in abgelegenen Tälern und isolierten Lagen, in Wäldern und an kleinen Bachläufen. Die Mönche machten das Land erst urbar. Es ist wahrscheinlich die Kombination aus Architektur und Lage, romantisch gelegene Ruinen eben. Ich wollte dann den Lake District mit seiner landschaftlichen Schönheit sehen, aber nach einer Übernachtung in den Dales hatte es sich jenseits der Berge eingeregnet und es gab eigentlich nichts mehr zu sehen. Das schlechte Wetter steigerte sich zu einer stürmischen Nacht an einem unter normalen Umständen tollen Stellplatz an der Westküste am Solway Firth. Windböen schüttelten das ganze Auto und der Regen prasselte auf die Kabine – und als Camper stellt man fest, dass eine Übernachtung in einer stabilen und trockenen Kabine etwas beschützendes und heimeliges hat. Das Wetter ist dann schlagartig wieder besser geworden. Ich bin jetzt auf dem Weg nach Schottland.

08/19/2013 – Then again criss-crossing northern England. Where the North York Moors strike the North Sea, the coast is steep, spectacular and bordered by high cliffs. I found a village called Robin Hood’s Bay, the picturesque fishing village turned out to be . And of course I was on tour to ancient castles and abbeys and their ruins, I came to Whitby. On a windy height are the impressive ruins of Whitby Abbey, founded in 657 by St. Hilda and 867 destroyed by the Danes, founded new after the Norman Conquest as a Benedictine monastery, but dissolved in 1539 . The rapid change of clouds and sun contributed to in the play, which was rounded off with the panorama of sea, city and the historic cemetery of the parish church of St. Mary. In the town were James Cook came to the Royal Navy they honor him here with a little Captain Cook Memorial Museum. Of course a must for me after I had myself in depth concerns with him and his research trips many years ago during my trip to New Zealand. Then again ruins in quick succession – Pickering Castle, Helmsley Castle and Rievaulx Abbey. And on the way back to York to the west over to a new height – Fountains Abbey in Ripon. The ruins of ancient Cistercian monasteries practice on me a peculiar fascination. They were created in their time always in remote valleys and isolated locations in forests and near small streams. The monks made the land under cultivation. It is probably the combination of architecture and location, just romantically situated ruins. I then wanted to see the Lake District with its scenic beauty, but after a night in the Dales it had been raining beyond the mountains and there was nothing more to see. The bad weather grew into a stormy night at a great pitch under normal circumstances, parking on the west coast on the Solway Firth. Wind gusts shook the whole car and the rain was beating on the car – and as a camper, it is found that an overnight stay in a stable and dry cabin has something sheltered and homely. The weather then became suddenly better. I am now on the way to Scotland.

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3 Responses to England

  1. Erika Nophut says:

    Ja, darauf habe ich mich schon gefreut.

  2. Kerstin Scherf says:

    Hallo Hartmut, ich lese deine Reiseberichte seit Jana mich darauf aufmerksam gemacht hat mit größter Begeisterung. Aber wo sind deine wunderbaren Fotos? Hast du in England deine Kamera vergessen? Liebe Grüße von Kerstin aus Saalburg!

    • Trotamundo says:

      Hallo Kerstin, bei dieser Reise geht nicht alles. Zu wenig Zeit und zu viel Arbeit mit den Fotos. Außerdem dauert mit einem Funkstick das Hochladen von Fotos zu lange. Ich muss das alles nach Ende der Reise von zuhause aus nachholen. Schöne Grüße, H.

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