Sudetes, Beskids, Tatra, Western Carpathians

Polnische “Kielbasy” auf dem Grill

04.08.2012 – Die neue Reise beginnt in Regionen, die mir sehr vertraut sind. Ich bin zuerst bei Boleslawiec (Bunzlau) in Niederschlesien, in der Heimat meines verstorbenen Vaters. Ich war schon oft hier, seit 1975 mindestens zehn mal. Von der Verbundenheit, die mein Vater mit seiner früheren Heimat hatte, hat sich einiges auf mich übertragen. Gemeinsame Freunde haben mich herzlich willkommen geheißen. Ich werde diese Region nicht vergessen,

Boleslawiec (Bunzlau) – Niederschlesien

sondern auch zukünftig immer wieder einmal besuchen. Nahezu tropische Temperaturen in der Ebene haben mich dann in das Gebirge vertrieben. Im polnisch-tschechischen Grenzgebiet reiht sich ein Höhenzug an den nächsten und die Landschaft ist sehr beeindruckend. Der Ort Karpacz (Krummhübel), nicht weit von der Schneekoppe, dem höchsten Berg des Riesengebirges, bietet eine echte Besonderheit. Hier steht die

Kirche Wang im Riesengebirge

“Kirche Wang”, eine originale norwegische Holzkirche beziehungsweise Stabkirche. Sie hat eine bewegte Geschichte. Gebaut wurde sie um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert im Ort Vang in Südnorwegen. Als sie im 19. Jahrhundert abgerissen werden sollte, wurde sie für 427 Mark vom damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm IV gekauft und fand in Einzelteile zerlegt ihren Weg nach Berlin. Schließlich wurde

“Friedenskirche” in Jawor

sie 1842/1844 in Brückenberg bei Krummhübel im Riesengebirge wieder aufgebaut und ist seitdem die höchst gelegene Kirche Niederschlesiens. Niederschlesien hat außerdem zwei Kirchen auf der UNESCO-Welterbeliste. Es handelt sich um die “Friedenskirchen” in Jawor (Jauer) und Swidnica (Schweidnitz). Beide Kirchen wurden nach dem Ende des Dreißigjähren Krieges als protestantische Kirchen gebaut. Die

“Friedenskirche” in Jawor

Verwendung von Steinen und Ziegeln war von den katholischen Landesherren verboten worden. Es durften nur Holz, Lehm und Stroh zum Bau genutzt werden. Gewissermaßen aus Trotz errichteten daher die kleinen protestantischen Gemeinden die größten Holzkirchen Europas als Fachwerkbauten und statteten sie über alle Maßen prachtvoll und barock aus. Nur um eine Vorstellung von der Größe zu

Friedenskirche Jawor

bekommen: Die Kirche in Jawor fasst 5.500 Besucher, die in Swidnica 7.500, davon 3.000 auf Sitzplätzen. Die Wucht und die Schönheit der innen komplett ausgemalten Kirchen lässt einen beim Betreten der Kirchen den Atem stocken.

Silhouette der Kirche Wang – Riesengebirge – Niederschlesien

Abendessen bei polnischen Freunden

08/04/2012 – The new journey begins in regions that are very familiar to me. I’m first in Boleslawiec (Bunzlau) in Lower Silesia, where my late father was born and grew up. I’ve been here many times, at least ten times since 1975. Of the bond, that my father had with his former home, a lot has transmitted to me. Mutual friends got me a warm welcome. I will not forget this region, but will continue to visit again and again. Almost

Kirche Wang

tropical temperatures in the plane then I have driven into the mountains. In the Polish-Czech border region is a ridge lined up at the next and the scenery is very impressive. The city Karpacz, not far from the Snezka, the highest mountain of the Giant Mountains, offers a real feature. Here is the “Vang”, an original norwegian wooden church or stave church. It has a colorful history. It was built at the turn of the 12th to the 13th

“Friedenskirche” in Swidnica

Century in the village of Vang in southern Norway. As in the 19th Century she should be demolished, she was bought for 427 marks by the former Prussian King Friedrich Wilhelm IV and found her way into parts disassembled to Berlin. Finally she was 1842/1844 built in Karpacz in the Giant Mountains again and has since become the highest church in Lower Silesia. Lower Silesia has also two churches on the UNESCO World Heritage

“Friedenskirche” in Swidnica

List. These are the “Churches of Peace” in Jawor and Swidnica. Both churches were built after the end of the Thirty Years’ War as Protestant churches. The use of stones and bricks had been banned by the Catholic sovereigns. There were only wood, clay and straw allowed for construction. In a way out of spite, therefore, the small Protestant communities built the largest wooden churches in Europe as half-timbered buildings and

Friedenskirche Swidnica

equipped them beyond measure magnificent and baroque. Just to get an idea of the size: The church in Jawor holds 5.500 visitors, the one in Swidnica 7.500, including 3.000 seated. The force and beauty of the in the interior completely painted churches leaves your breath away, when you enter the churches.

Frühstück mit Emily

07.08.2012 – Ich habe ein langes Wochenende im Glatzer Bergland in Schlesien verbracht, wo meine liebe Freundin Emilia auf einer wunderschön gelegenen Bergwiese gerade ein kleines Ferienhaus baut. Bisher steht jedoch erst der Rohbau. Seit Jahren fahren polnische Leute zur Arbeit nach Deutschland – jetzt war ich vielleicht der erste deutsche

Als Schwarzarbeiter in Polen

Schwarzarbeiter hier im Glatzer Tal. Nein, Spaß beiseite. Ich konnte ein bisschen helfen, aber wir überarbeiteten uns nicht. Und ich genoss ebenso wie Emilia das einfache Leben auf dem Berg mit Campingküche, Hängematte, Lagerfeuer und Rotwein. Die Aussicht von hier oben war phantastisch, es war noch fast Vollmond. Aber in einer Nacht krachte ein heftiges Gewitter. Ich habe Blitze nie näher erlebt. Am

Litomyšl

Sonntag blieb Zeit für eine Fahrt in das ostböhmische Litomyšl, also nach Tschechien. Mittelpunkt der Stadt ist der langgestreckte Marktplatz. Er ist umgeben von Bürgerhäusern im Renaissance- und Barockstil mit Lauben und Giebeln. Eine schöne Stadt. Das Schloss Litomyšl ist eines der bedeutendsten Renaissance-Denkmäler in Tschechien und ist als UNESCO-Welterbe eingetragen. Die Außenwände sind in

Schloss Litomyšl

italienischer Kratzputztechnik (Sgraffito) gestaltet. Sehenswert sind zudem die Hell-Dunkel-Malerei (Chiaroscuro) an der Nordseite des Innenhofs, die Wohnräume des Schlosses mit ihrer kostbaren Ausstattung und das aus 1796/1797 stammende Schlosstheater. Heute, bei der Abfahrt von Emilias Wiese, forderte der überaus steinige Feldweg seinen Tribut. Ich bemerkte einen Plattfuß am Auto zu spät. Die Steine hatten bereits die Seitenflanke des platten Reifens irreparabel beschädigt, was mich gleich zwei neue Reifen kostete. Pech.

Camping auf Emilias Baustelle

08/07/2012 – I’ve spent a long weekend in the Kłodzko Mountains in Silesia, where my dear friend Emilia just builts a small cottage on a beautifully situated mountain meadow. So far, however, exists only the shell. For years Polish people went to work in Germany – now maybe I was the first German illegal worker here in the Kłodzko valley. No, joking aside. I could help a bit, but we haven’t been really busy. And I, like Emilia, enjoyed the

Campingküche mit Emily

simple life on the mountain with camp kitchen, hammock, campfire and red wine. The view from up here was fantastic, it was still nearly full moon, but during one night crashed a violent thunderstorm. I’ve never seen lightning in more detail. Sunday was time for a trip to the East Bohemian Litomyšl in the Czech Republic. Center of the city is the elongated square. He is surrounded by town houses in the Renaissance

Schloss Litomyšl

and Baroque style with arcades and gables. A beautiful city. The Litomyšl Palace is one of the most important Renaissance monuments in the Czech Republic and is registered as a UNESCO World Heritage Site. The exterior walls are designed in Italian sgraffito technique. See value are also the light-dark painting (Chiaroscuro) on the north side of the courtyard, the living rooms of the palace with their precious equipment and the

Schloss Litomyšl

Palace Theatre from 1796/1797. Today, with the departure from Emilias area, the extremely rocky dirt road took its toll. I noticed a flat tire on the car too late. The stones had already damaged the side edge of the flat tire beyond repair, which cost me two new tires. Bad luck.

Golgata der Beskiden – bei Radziechowy (Oberschlesien)

Holzschnitzerei in den Beskiden

11.08.2012 – Mit den zwei neuen Vorderreifen am Auto mache ich das, was ich so häufig tue. Ich trödele mit dem Wagen durch landschaftlich schöne Gegenden, halte hier und da mal an interessanten Sehenswürdigkeiten oder genieße die Panoramen und auch ab und zu eine kleine Wanderung. Außerdem, nicht zu vergessen, bin ich ein Fan der

Schlesische Beskiden

hiesigen herzhaften regionalen Küche. Die Preise sind übrigens sehr erschwinglich. Es gibt hier viel Kaufkraft für’s Geld. Nach der Region um Kłodzko war ich in den bergigen Grenzregionen in den Sudeten und den Beskiden. Es sind waldreiche Mittelgebirgsregionen mit Bergen zum Teil deutlich über 1.000 Metern Höhe und sie sind landschaftlich sehr reizvoll. Mal war ich auf der polnischen Seite der Grenze, dann auf der tschechischen

Holzhäuser in Chocholow

Seite, dann wieder in Polen, jetzt eben in der Region Spiš (Zips) in der Slowakei. Danach geht es so durch die Westkarpaten weiter nach Osten, mal auf der polnischen Seite, mal auf der slowakischen Seite. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind hier die Landschaft sowie Burgen, Schlösser, alte Holzkirchen mit phantastischer barocker Innenausstattung, außerdem hübsche Dörfer und Kleinstädte. Nur die Hohe Tatra, das (flächenmäßig) kleinste

Vorland der Hohen Tatra

Hochgebirge der Welt, das durchaus alpinen Charakter hat, macht es einem schwer, sich ihm zu nähern. Ich habe es von der polnischen Seite über Zakopane versucht. Aber es ist Ferienzeit und Hauptsaison in Polen und Zakopane platzt vor Besuchern und vor Verkehr aus allen Nähten. Einmal quer durch die kleine Stadt mit einer Stunde Verkehrsstau und ohne Parkmöglichkeit haben mich gleich zum Weiterfahren

Holzkirche in Debno – Kleinpolen

veranlasst. Dann wollte ich heute von der Südseite, also in der Slowakei her, versuchen, mich der Hohen Tatra zu nähern. Aber das Wetter war umgeschlagen und der gesamte Tag war kalt und regnerisch. Außer der Tatra in dichten Regenwolken gab es nichts zu sehen. Ich hoffe, dass es bald besser wird.

Die Hohe Tatra als Wolkenfänger

Holzhotel in den Schlesischen Beskiden

08/11/2012 – With the two new front tires on the car I’m doing what I do so often. I dally with the car through scenic areas, now and then think of interesting sights or enjoy the panoramic views and also now and then a short hike. Also, do not forget, I’m a fan of local tasty regional cuisine. The prices here are incidentally very affordable. There are a lot value for the money. After having been around Kłodzko I was in the mountainous border

Boot auf dem Dunajec Stausee

regions in the Sudetes and the Beskids. There are wooded hills, a mountainous area with some well over 1.000 meters high and they are very scenic. Sometimes I was on the Polish side of the border, then on the Czech side, then back to Poland, now just in the Spiš region in Slovakia. From here I’ll go through the Western Carpathians to the east, sometimes on the Polish side, sometimes on the Slovak side. The main attractions here are the

Arwaburg – Slowakei

scenery and castles, palaces, old wooden churches with magnificent baroque interior, as well as pretty villages and small towns. Only the High Tatras, which (by area) are the smallest high mountains in the world which have quite alpine character, make it a difficult to approach them. I’ve tried it from the Polish side of Zakopane. But it is peak holiday time in Poland and Zakopane is bursting from the seams with visitors and traffic.

Holzhäuser bei Nižná – Slowakei

Once across the small town an hour traffic jams and without parking possibilities have caused me to move on. Then I wanted to try from the south side from Slowakia to get closer to the High Tatras. But the weather had changed and the whole day was cold and rainy. Apart from the Tatra Mountains in dense clouds, there was nothing to see. I hope that it will be better soon.

Schloss Dunajec – Niedzika – Kleinpolen

Holzkirche in Debno

Holzkirche in Tvrdošín

Holzkirche in Leštiny

Levoča – Region Zips – Slowakei

14.08.2012 – Auch die Niedere Tatra war leider völlig verregnet. Ich hatte nur noch einen halben Tag Glück mit dem Wetter, als ich am Sonntag die Städte und Dörfer in der Zips (Spiš) besuchte. Die Zips, in der heutigen nordöstlichen Slowakei gelegen, war seit dem 13. Jahrhundert ein historisches deutsches Siedlungsgebiet. Die meisten Zipser Städte haben ihren Ursprung in Siedlungen, für die nach dem Mongoleneinfall 1242

Spišský hrad – Zipser Burg

deutsche Handwerker und Bergleute aus Schlesien, Sachsen und Thüringen ins Land geholt wurden. Hier haben sich reiche Architekturdenkmäler erhalten, die so schön und einmalig sind, dass sie mit einem Eintrag auf der UNESCO-Welterbeliste gewürdigt wurden. Ich war Mitte der neunziger Jahre schon einmal hier und bereits damals hatte mich diese Gegend stark fasziniert. Besonders hervorheben will ich Levoča sowie

Zipser Kapitel mit Zipser Burg

Spišské Podhradie mit dem außerhalb gelegenen historischen Stadtviertel Spišská Kapitula. Einst Bischofssitz war der zwischen 1662 und 1665 ummauerte Ort Wohnstätte des Klerus. Und dann, in Sichtweite des Zipser Kapitels, Spišský hrad – die Zipser Burg. Die Ruine thront auf einem 634 m hohen felsigen Travertinkegel, der aus der zwischen den umliegenden Bergen gelegenen Ebene hervorragt. Ihre riesigen Außenmauern

Marktplatz in Bardejov – Slowakei

umfassen ein Fläche von 4,14 Hektar. Schließlich und nach längerer Fahrt zum Kamm der Westkarpaten auf der polnischen Seite war ich dort, wo sich Bär und Wolf Gute Nacht sagen, nämlich im Dreiländereck von Polen, der Ukraine und der Slowakei im Gebiet der sogenannten “Waldkarpaten”. Nicht mehr wirklich einsam, wie die Gegend einmal war, ist sie ein Paradies für Wanderer und verfügt über eine einfache, aber

Holzkirche in den Waldkarpaten – Polen

ausreichende touristische Infrastruktur. Photos gibt es leider nicht. Sie fielen einmal mehr dem schlechten Wetter zum Opfer. Ich orientiere mich jetzt nach Süden, nach Ungarn, wo ich bei dem Dorffest unserer Partnergemeinde in Südungarn meine Reise fortsetzen will.

Trabant 601 als Pizza Taxi in Levoča – Slowakei

Spišský hrad – Zipser Burg

08/14/2012 – Also the Low Tatras was unfortunately rained out completely. I only had half a day lucky with the weather when I attended on Sunday the towns and villages in the Zips (Spiš). Spiš, located in north-eastern Slovakia, was since the 13th Century a historic German settlement area. Most cities have their origin in settlements, where after the Mongol invasion in 1242 German craftsmen and miners from Silesia, Saxony

Zipser Kapitel und Zipser Burg

and Thuringia were brought into the country. Here remained extensive architectural monuments, which are so beautiful and unique, that they were honored with an entry on the UNESCO World Heritage List. I was here already in the mid nineties and was fascinated by this area. I particularly want to emphasize Levoča and Spišské Podhradie with the outlying historic district Spišská Kapitula. Once episcopal was the 1662-1665

Holzkirche in den Waldkarpaten

walled village dwelling place of the clergy. And then, within sight of the Spišská Kapitula, Spišský hrad – the castle of Zips. The ruins perched on a 634 m high rocky travertine hill, which protrudes out of the area between the surrounding mountains level. Their huge outer walls comprise an area of 4.14 hectares. Finally, and after a long drive to the crest of the Western Carpathians on the Polish side, I was there, where bear and

Orthodoxe Kirche im Nordosten der Slowakei

wolf say Goodnight to each other, namely in the border triangle of Poland, Ukraine and Slovakia in the field of so-called “Carpathian forest”. Not really lonely, as the area was once, it is a paradise for walkers and has a simple but sufficient tourist infrastructure. There are no photos, unfortunately. They fell once more victim to the bad weather. I am now oriented towards Hungary, where I will continue my journey to the village feast of our partner community in southern Hungary.

Bardejow – Slowakei

Abgeerntete Felder in der Zips – Slowakei

Besucherzähler

2 Responses to Sudetes, Beskids, Tatra, Western Carpathians

  1. Tijen says:

    Wonderfully detailed!
    Thanks Hartmut, reading your notes make me feel like on the road again, feels great.
    I’m sitting on my desk, working on a book that needs to be edited but in a month, I’ll be on the road myself so I’m not extremely jealous.
    Enjoy the rest of your trip and pls. keep us posted…

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